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Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 48 vom 30.11.2007, Seite A-3321
BRIEFE

Hausärztinnen und Hausärzte berichten über ihre Erfahrungen mit den Hausarztverträgen (DÄ 37/2007: „Von Meilensteinen und Lieschen-Müller-Medizin“ von Sabine Rieser und Samir Rabbata).

Früher gab es den klasse Arzt, dann nur noch den Kassenarzt und heute – dank der Hausarztverträge – auch den Kassenclown, der für ein paar Kröten mehr und eine erkaufte Patientenbindung seine letzte Unabhängigkeit opfert bzw. opfern muss. Dabei sind solche Managed-Care- und Pay-for-performance-Strategien die gescheiterten US-amerikanischen Ideologien des letzten Jahrhunderts. Kein Wunder, denn Patienten erleben bis zum Vertragsabschluss Erpressung, Gängelung und Telefonterror bis ins Wochenende hinein. Ärzte müssen sich GKV-konform verhalten, billige Therapien verordnen, Patienten ins DMP drängen und durch QM Scheinqualität auf dem Papier erzeugen, damit sie an Einzelverträgen und Honorar beteiligt werden. Mit der Zwangseinführung der eGK wird dieses Überwachungs- und Steuerungssystem noch ausgebaut werden. Es verwundert nicht, dass der neue Bundesverband der Krankenkassen die künftigen Zulassungsbedingungen für uns „Leistungserbringer“ definieren soll.
So werden Ärzte aus der staatlichen GKV-Retorte geboren. Qualität entsteht nicht durch Qual, sondern durch Hinwendung zum Patienten.
Das bedeutet mehr Personal, Zeit und Geld. Das müssen wir den politischen Betonköpfen in Berlin immer wieder klarmachen.

Dr. med. Svante Christoph Gehring,
Tannenhofstraße 75, 22848 Norderstedt

© Deutscher Ärzte-Verlag

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=57777 oder als pdf (40 KB)


EHEALTH.COM , 06/2007

eHealth = die Betrachtung des Patienten als Datenkörper? Qualität und Effizienz erwachsen nicht aus einer gesteuerten Versorgung ("Gesteuerte Versorgung", 5/2007), sondern aus freier Therapiewahl des Patienten und der Zuwendung und Empathie des Arztes.

Managed Care ist eine amerikanische Ideologie des letzten Jahrhunderts und gilt unter Experten dort bereits als kostentreibender Irrweg (ich empfehle "Redefining Health Care" von Porter/Teisberg, Havard Business School Press, 2006). "Gesteuerte Versorgung" kann auch in Deutschland nicht funktionieren, weil Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen nicht durch repressive Gesetze, Beitragsstabilität, Budgets, Wirtschaftlichkeitsprüfungen, Regressandrohungen, Rabattverträge, Abschaffung der wohnortnahen Versorgung, DMP, MVZ, Klinikketten, Druck, Vorgaben, Zwang, Leitlinien, Regelungen, Einzelverträge, Dokumentationswahn, Qualitätsmanagement, Technik, eHealth und Überwachung per se entstehen. Qualität und Effizienz erwächst nicht aus Bürokratie und Regelungswut, dies bindet eher Ressourcen, sondern aus dem freien Zugang des Patienten zur besten Therapie (das Outcome des Patienten betreffend). Diese beinhaltet auch immer Empathie und Zuwendung von unabhängigen Ärzten/-innen (human Health) und eben nicht von angestellten "Leistungserbringern", die Patienten als bloße Datenkörper betrachten (eHealth), wie Kunden behandeln oder Gesundheit als Ware ansehen. Ich sehe in Deutschland derzeit keine vernünftige Initiative für mehr Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen, sondern wir verwalten und sparen uns stattdessen zu Tode. Weder Gesundheitsexperten noch -politiker haben ihre Hausaufgaben gemacht, denn jede Reform hat bisher nur die Versorgung verschlechtert oder das gegenseitige Mißtrauen verschärft. Eine "gesteuerte Versorgung" bietet keine Lösungen und wird eher innovative Ansätze ersticken als fördern!

Dr. Svante Christoph Gehring, Internist, Norderstedt

Quelle: EHEALTH.COM , 06/2007 oder als pdf (69 KB)


Medical Tribune, 42. Jahrgang, Nr. 43, 26. Oktober 2007

Neues Monster namens AQUIK

KBV verwechselt Quälerei und Qualität

Zum Beitrag "KBV und KVen suchen Indikatoren und Kennzahlen – Niedergelassene Ärzte sollen Ergebnisqualität nachweisen", MT 41/07, S. 18 

An MEDICAL TRIBUNE In dem heutigen SGB-V-Zwangsund GKV-Gängelungssystem werden aus Qualitätsindikatoren und -kennzahlen schnell weitere Folterinstrumente gegen uns "Vertragsärzte". Unsere Leistungen werden erst geschickt hinter Pauschalen versteckt (s. EBM 2008), um uns dann in einen Wettbewerb zu schicken, der Pseudoqualität im Hamsterrad des Sachleistungssystems messen soll.

"AQUIK" wird Behandlungsqualität nur auf dem Papier messen und so Zeit, Personal und Geld fressen, die uns dann für eine gute Behandlung verloren gehen. So wird ein neues bürokratisches Monster im Horrorkabinett der K(B)V gebändigt und dazu benutzt werden, um systemkonforme Ärzte zu belohnen. Wettbewerb um Behandlungsqualität kann nur mit freien Ärzten entstehen, die angemessen bezahlt werden, und bei freier Arztwahl mit direktem Behandlungsvertrag, der unmittelbar Kosten- und Leistungstransparenz schafft.

Dr. Svante Christoph Gehring, Internist, Norderstedt

Quelle: Medical Tribune, 42. Jahrgang, Nr. 43, 26. Oktober 2007 oder als pdf (354 KB)


Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt "Offener Brief zur Überreichung der Resolution gegen die eGK und ePA",
Ausgabe 09/2007, Seite 40 f.:

Sehr geehrter Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein!

Lieber Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung in Schleswig-Holstein!

Wir UnderDOCs sehen - wie zahlreiche andere ärztliche Gruppierungen auch - mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und Patientenakte (ePA) und der damit verbundenen, zunehmenden Verwaltung von Datenkörpern virtueller Patienten unser ärztliches Selbstverständnis, unser freiheitliches Berufsbild und das Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten gefährdet. - Um es gleich vorwegzunehmen, es handelt sich hierbei nicht um eine „Momentaufnahme“! Auch ein „finanzielles Zugeständnis“ reicht uns ganz sicher nicht aus, um unsere Bedenken zu zerstreuen!

Wir erkennen zwar ausdrücklich die gegenwärtigen Bemühungen von Ärzten und Datenschützern auch in den Testregionen an, die „Sache“ im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben durch Kooperation und Mitarbeit sicher zu gestalten, wir halten diesen Weg jedoch für falsch. Wer garantiert uns, dass die jetzigen Rahmenbedingungen zukünftig den Interessen und dem Druck Dritter stand halten? Diese bekommen mit der eGK den elektronischen Fuß in die Eingangstür unserer Praxen. Im Angesicht einer Ressourcenverknappung oder in Zeiten von Seuchen lassen sich Gesetze und Zugriffsrechte schnell ändern, die Türen bis hin ins Sprech- und Behandlungszimmer aufstoßen! Mit der vermeintlichen Terrorgefahr und der Angststeuerung der Bevölkerung lassen sich derzeit ja auch spielend Bürgerrechte einschränken und Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung und zum Lauschangriff auf Arztpraxen vorbereiten!

Was lehrt uns die Vergangenheit? Hat uns die Kooperation und Mitarbeit irgend etwas genützt oder wurde „die Unmöglichkeit einer sinnvollen Umsetzung der Gesetze“ politisch nur wieder dazu benutzt, uns die Schuld zuzuweisen und jeweils repressivere Reformen gegen die Ärzteschaft zu rechtfertigen und durchzusetzen?

Wir niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erleben die gegenwärtige Gesundheitspolitik nur noch als Drangsalierung mit dem offensichtlichen Ziel, die freie ärztliche Berufsausübung in Deutschland abzuschaffen. Dazu wird das SGB V missbraucht, um Grundrechte von Patienten und Ärzten auszuhebeln, unsere Würde mit Füßen zu treten und uns dabei auch noch in unbezahlter Zwangsarbeit zu halten. Das KV-System wird durch Einzelverträge ausgehöhlt werden, bis für Kollektivverträge nichts mehr übrig bleibt. Die Medien werden derzeit von Gesundheitspolitikern benutzt, um uns durch Unterstellungen und Beschimpfungen vor der Übernahme der ambulanten Versorgung durch Klinikketten sturmreif zu schießen. Sind dann alle Fachärzte in Klinikambulanzen oder Medizinischen Versorgungszentren angestellt und Hausärzte durch Direktverträge oder Anstellung an die GKV gebunden, werden im nächsten Schritt diese auch den Sicherstellungsauftrag zugesprochen bekommen. Hausärzte werden dabei eine schrittweise Metamorphose vom Freiberufler zum Kassenclown erleben. Im Angestelltenverhältnis lassen wir uns dann nach den Belangen des Staates, der GKV und Wirtschaft besser steuern. Wer das nicht will und aus dem Sachleistungssystem aussteigen möchte, wird spätestens mit der kommenden Anpassung der GOÄ auf EBM-Niveau willfährig gemacht. Was uns bei der gegenwärtigen „Überbürokratisierung“ und als gerecht propagierten, staatlichen Zuteilungsmentalität dann noch alles erwartet, muss hier wohl nicht weiter ausgeführt werden.

Ob es nun als Beispiel um die kommenden Einzelverträge mit der drohenden Umsatz- und Gewerbesteuer geht, den dann beteiligten Managementfirmen oder die Einrichtung der Telematikinfrastruktur, Staat und Wirtschaft befinden sich durch steuerliche Mehreinnahmen und erleichtertes Abschöpfen von Versicherungsgeldern in einer Win-Win-Situation. Verlierer werden wie immer, wenn Dritte mitverdienen, die Patienten und Ärzte sein. Die übrigen Beteiligten interessiert am Gesundheitsmarkt nur die Gewinnmaximierung und Dividendenausschüttung, aber sicher nicht der kranke Mensch.

Machen wir uns nichts vor, die eGK und ePA wird als Motor für diesen neuen Gesundheitsmarkt gebraucht und als weiteres Steuerungs- und Gängelungsinstrument gegen uns missbraucht und hat mit Telemedizin, wie wir sie uns vielleicht wünschen würden, gar nichts gemein. Im Gegenteil, der „medienbruchfreie“ Datenhunger von Staat und Krankenversicherungen wird bedient. Letztere richten zur Abwicklung des Morbi-RSA und zur Sicherung ihres betriebswirtschaftlichen Überlebens so genannte DataWarehouse- und DataMining-Systeme ein, um über Risikoklassen- und Profilbildung teure Patienten und Ärzte zu identifizieren, zu reglementieren, zu selektieren und im neuen gesetzlichen Rahmen auch zu eliminieren (FTD 23.06.07: „Heimliche Fahndung“ von Philipp Grätzel von Grätz).

Wir erleben derzeit die Ratlosigkeit der Verbände und die Ohnmacht unserer Körperschaften, die nur noch dort Spielräume besitzen, wo sie den Interessen von Staat und Wirtschaft dienen. Dabei hätte schon 2004 ein Blick in die Studie von Michael Noweski „Der unvollendete Korporatismus“ (im Internet herunterladbar) aus der Abteilung Public Health des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) ausgereicht, um die staatliche Strategie zu durchschauen. Leiter dieses neben dem Bundestag angesiedelten Institutes ist Prof. Rolf Rosenbrock, Mitglied des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen. Alleine die Kapitelüberschriften dieser Arbeit - „Legitimierung der Kostendämpfung und Schuldzuweisung an die Ärzte“, „Steigerung des Drohpotenzials gegenüber den Ärzteverbänden“, „Organisationsreform ärztlicher Interessenvertretung“ und „Erhöhung der staatlichen Durchsetzungsfähigkeit“ - lassen sich schon als politische Handlungsanweisungen verstehen. Die Arbeit beschreibt auch, wie weit sich die Körperschaften benutzen lassen, um gegen die Interessen der Ärzteschaft vorzugehen.

Wie steht es so schön auf der Homepage unserer KV unter der Rubrik „Über uns“: „Die KV ist als Selbstverwaltung ein Stück konkret erlebbarer Demokratie und vertritt die Interessen ihrer Mitglieder!“ Also los, lassen Sie uns Demokratie erleben und vertreten Sie unsere Interessen, denn dazu bleibt Ihnen wohl nicht mehr viel Zeit!

In diesem Sinne wollen wir Mitglieder der Ärztekammer und KV Schleswig-Holstein - hier organisiert in den UnderDOCs - heute gemeinsam mit dem RPN Kiel und der Ärztegenossenschaft unsere Ablehnung gegenüber der eGK und ePA bekunden und fordern Sie mit der Übergabe unserer Resolutionen auf, aus dem Modellprojekt in Flensburg auszusteigen. Nur mit einem Boykott bleiben wir „sauber“, lassen wir uns beim Scheitern dieses irrwitzigen Projektes nicht wieder die Schuld in die Schuhe schieben, lassen sich die Körperschaften nicht weiter staatlich benutzen und darf der Staat dann gerne durch Ersatzvornahmen sein wahres Gesicht zeigen.

Lassen Sie uns, mit den Worten unserer Bundeskanzlerin gesprochen, „mehr Freiheit wagen“ und uns im zivilen Ungehorsam üben, denn anderenfalls wird es immer so weiter gehen!

Dr. Svante Gehring, 1. Vorsitzender der UnderDOCs e.V.; außerdem Mitglied der Freien Ärzteschaft, der Ärztegenossenschaft, der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein und des Komitees für Grundrechte und Demokratie e.V.

Quelle: http://www.aeksh.org/shae/2007/200709/h079040a.html
oder als pdf (89 KB)


Gehring, Svante C.

Morbi-RSA: Bedenklich
Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 34-35 vom 27.08.2007, Seite A-2336-7

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich soll 50 bis 80 kostenintensive Erkrankungen berücksichtigen (DÄ 22/2007: "Gesetzliche Krankenversicherung: Der Morbi-RSA soll den Wettbewerb um Gesunde beenden" von Dr. rer. nat. Josef Ingenerf).

Mit dem RSA-Instrument „DMP-Einschreibung“ werden heutzutage Versicherte bedrängt, Ärzte erpresst und Versicherungsgelder einem Verwaltungsakt geopfert, dem weder ein finanzieller noch ein gesundheitlicher Nutzen folgen. Die nun mit der Einführung eines weiteren bürokratischen Monsters – dem Morbi-RSA – im Stillen geplante Einteilung der Bevölkerung in Risikoklassen ist nicht nur grund- und datenschutzrechtlich bedenklich, sondern wird in der Folge zahlreiche Begehrlichkeiten Dritter wecken. In der Tat liegen alle nötigen Patientendaten auch heute schon vor (schlimm genug!), sind aber aufgrund zahlreicher Medienbrüche im System nicht so einfach verfügbar. Das soll sich spätestens mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ändern, denn dafür wird sie gebraucht oder besser missbraucht. Durch den automatischen Datenabgleich lassen sich ganz nebenbei auch noch lückenlose Patienten- und Arztprofile erheben, weitere Gängelungen sind so programmiert. Wer dann auch noch glaubt, dass in einem System, das Bezahlung an Morbidität koppelt, kein „Upgrading“ stattfindet, ist schlicht naiv. Wieso werden unsere Patienten seit der Einführung des DRG-Systems denn sonst mit teils haltlosen Diagnosen geradezu überschüttet? Wir sollten nach den vergangenen Jahren verfehlter Gesundheitspolitik den Begriff Morbidität auf das gesamte System anwenden – das deutsche Morbi-Gesundheitssystem.
Dr. med. Svante C. Gehring, Tannenhofstraße 75, 22848 Norderstedt

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=56712
oder als pdf (84KB)


Leserbrief in "Deutsches Ärzteblatt", Jg. 104, Heft 23, 8. J

uni 2007

Virtuelle Patienten

. . . Der Kongress war der Auftakt einer Reihe von eHealth-Kongressen in Deutschland, auf denen die zur Abwicklung der niedergelassenen Ärzteschaft notwendigen und nun erfolgreich durchgeboxten Gesetze (VÄndG, GKV-WSG) und die damit ermöglichte wirtschaftliche Übernahme unseres Gesundheitssystems durch private Investoren und Klinikketten gefeiert werden.

Telematik und elektronische Gesundheitskarte sind nur Instrumente zur Steuerung dieses neuen Markts. Wer wissen möchte, woher der Wind weht, sollte dieser Tage die Financial Times Deutschland lesen. Da trafen sich bereits Ende Januar in Köln Wirtschaftsmanager mit staatlichen Krankenhausexperten, Staatssekretären und Politikern, um über die Zukunft zu diskutieren: Der Gesundheitsmarkt soll industrialisiert werden, neue Wertschöpfungsketten sollen entstehen und Patientenströme besser gelenkt werden.

Uwe Reinhardt, ein weltweit bedeutender Gesundheitsökonom von der Princeton University, bringt es auf den Punkt: "In jedem Industrieland ist der Gesundheitssektor die Lokomotive für die Wirtschaft . . . In den vergangenen 200 Jahren war das Management des Gesundheitswesens den Ärzten überlassen worden und die haben gezeigt: Sie können es nicht." ("Nicht ohne die Patienten", FTD 15.03.2007).

Kein Wunder, dass Patienten und Ärzte auf diesen Kongressen nicht vertreten sind, gar nicht eingeladen werden und sich den Kongressbeitrag von einigen hundert Euro auch gar nicht leisten können, denn es geht hier nur noch um virtuelle Patienten, Datenkörper und das Abschöpfen von Versicherungsgeldern . . .

Dr. med. Svante C. Gehring, Tannenhofstraße 75, 22848 Norderstedt

Quelle: Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 23 vom 08.06.2007, Seite A-1649 oder als pdf (123 KB)


Leserbrief in "Der Kassenarzt"

Hopp, hopp, hopp – Hoppe läuft Galopp!

Was für ein genialer Schachzug von Hoppe und Co., Argumente der Protestbewegung und eCard-Gegner schon vorher in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit den Spitzenverbänden und der KBV aufzunehmen und in der Eröffnungsrede auf dem Deutschen Ärztetag einzuarbeiten. So soll der kritischen Ärztebasis, wie sie sich in der Freien Ärzteschaft formiert hat, das Wasser abgegraben werden. Hier setzt sich wieder ein zahnloser Papiertiger an die Spitze des Protestes und zum Sprung an – aber leider nur in Ullas Schoß. Nun lehnen sich viele Kolleginnen und Kollegen wieder zurück und glauben, dass unsere gut bezahlten Funktionäre doch zu etwas tauglich sind. Dabei sind wir da, wo wir heute stehen, gerade weil es Hoppes und Körperschaften gibt, die sich benutzen lassen und hier und da einmal bellen, aber nie beißen. Ich für meinen Teil kann mir Kollege Hoppe wirklich nicht als Freiheitskämpfer vorstellen, aus seinem Munde wirkt diese Drohung doch eher komisch als angsteinflößend.

Dr. med. Svante Christoph Gehring,
hausärztlich tätiger Internist aus Norderstedt,
1. Vorsitzender der UnderDOCs (wir beißen) und
aktives Mitglied der Freien Ärzteschaft

Quelle: http://www.kassenarzt.de/w3.php?pVId=52541235&nodeId=14278&page=3 oder als pdf (21 KB)


Dr. Martin Gattermann, Allgemeinarzt
Pestalozzistr.16
25826 St. Peter-Ording
7. September 2006

Husumer Nachrichten (per E-Mail "leserbriefe@shz.de") 

Betr.:  Leserbrief zu "Ärzte protestieren gegen neue Notdienstpraxen" (HN 07.09.06, S. 3) 

"Es gehört Mut dazu, sich als Kassenarzt laut und öffentlich gegen Ambitionen seiner eigenen Kassenärztlichen Vereinigung zu stellen. Und wenn man befürchten muß, daß ein wichtiges Vorhaben in der parlamentarischen Funktion dieser Kammer nicht ausreichend genug gewürdigt wird, ist es demokratisches Recht zu demonstrieren. Zur Funktionsfähigkeit einer Demokratie gehört auch, wenn Sie dann darüber so fair berichten, wie geschehen.

Wir haben hier auf Eiderstedt schon vor Jahren – mit Wohlwollen der Kassenärztlichen Vereinigung und besonders ihres heutigen Vorsitzenden R. Büchner übrigens – ein Modell umgesetzt, das den heutigen Bedingungen besser Rechnung trägt als die Vergangenheit. Aber wir haben es komplett selbst erreicht, ohne Einwirkung von außen. Man hat es uns nicht aufgezwungen.

Das Problem ist, daß im derzeitigen Vergütungssystem die ärztliche Bereitschaftsstunde mit weniger als 10 € so hoffnungslos unterbezahlt ist, daß viele Praxen – wie bespielsweise in Dithmarschen –, wenn der Inhaber aus Altersgründen ausscheidet, unverkäuflich geworden sind. Das heißt, wegen der Belastung mit Diensten (in kleinen Bezirken unter Umständen jede zweite oder dritte Nacht, die kaum ein Junger mehr auf sich zu nehmen bereit ist und die wegen einer skandalösen Entlohnung auch nicht an Andere (Klinikärzte etc) "verkauft" werden kann, sterben Praxen besonders im strukturschwachen ländlichen Bereich und die Versorgung der Bevölkerung wird deshalb schlechter.

Werden jetzt mehrere bisherige kleinere Bezirke zusammengelegt, steigt die Zahl der teilnehmenden Ärzte, sinkt die Anzahl ihrer Dienste, müssen und können sie im einzelnen Dienst mehr arbeiten und bekommen dafür eine bessere Vergütung. Sie liegt aber auch dann noch weit unter dem, was ein Installateur, Heizungstechniker oder gar eine EDV-Mechaniker in Rechnung stellt!

Daß die Patienten dann größere Wege zu diensthabenden Praxis (wie ja auch die Änderung des Bereitschaftsdienstes der Apotheken für das Erlangen der Medikamente dies bereits erzwingt), ist logisch und unvermeidlich. Für den bettlägerigen Kranken gibt es aber weiterhin den ärztlichen Hausbesuch. Es verschlechtert sich nicht primär die Versorgungsqualität, sondern der Komfort. Da niemand – seitens der Krankenkassen etwa – diesen zu vergüten bereit ist, ist es nur logisch, daß der skizzierte Weg eingeschlagen wurde.

Vergrößerung der Notdienstbezirke führt bei intelligenter Handhabung nicht zu einer zwingend schlechteren Patientenversorgung, sichert aber letztlich das Überleben gerade der bisherigen Praxisstruktur im ländlichen Bereich. Völlig unnötig aber ist die Kopplung des neuen Systems an eine Anlaufpraxis in Krankenhäusern. Wir Niedergelassenen haben Praxen, mit denen wir das Erforderliche seit Jahrzehnten leisten. Warum sollen wir Räume in Krankenhäusern (die wie beispielsweise auf Eiderstedt  zudem völlig am Rand des Notdienstbezirkes liegen können) mieten, wenn wir – reihum – die Präsenzpraxis auch in unseren eigenen Räumen gewährleisten können. Auch wissen wir vor Ort viel besser, zu welchen Zeit etwa zwei Paralleldienste (der Hausbesuchs- UND der Praxisdienst) erforderlich sind und wann wir nur noch einen Diensthabenden brauchen und honorieren müssen.

Dieses obligatorisch mitregeln zu wollen, ist typisch deutsche Bürokratie. Frau Bundeskanzlerin hatte uns aufgefordert, mehr Freiheit zu wagen. Hier umgesetzt hieße es: Die Kassenärztliche Vereinigung legt mit ihrem Sachverstand und ihrer politischen Potenz den Rahmen fest, schneidet also die Notdienstbezirke, und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort gestalten dies nach den jeweiligen Erfordernissen aus. Soviel Demokratie und Freiheit muß sein!"    

Mit der Bitte um möglichst vollständigen Abdruck verbleibe ich als Ihr     

Dr. Martin Gattermann, Allgemeinarzt, St. Peter-Ording, für die Gruppe www.UnderDOCs.de



Dr. Martin Gattermann, Allgemeinarzt
Pestalozzistr.16
25826 St. Peter-Ording
29. Juli 2006

Der Spiegel (per E-Mail "leserbriefe@spiegel.de") 

Betr.:  Leserbrief zu "Kollektiv verantwortungslos" (Nr. 27  vom 3.7.06) 

"Es ist wohl Unwissenheit, wenn die "Zerschlagung der Kassenärztlichen Vereinigungen" gefordert wird – wie bei der Mafia? Tatsächlich sind Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen für uns Ärzte Zwangskörperschaften – und Behörden! Ich kenne kaum einen diagnostisch oder therapeutisch tätigen Arzt, der diese beiden Institutionen "gut" fände, es sei denn, er ist dort Funktionär. Auch ist Ihren Autoren völlig entgangen, daß es seitens der ärztlichen Basis zuneh­mend Widerstand gegen die Allmacht dieser Behörden gibt (beispielsweise www.UnderDOCs.de).

Geradezu drollig erscheint mir die Vorstellung, daß per Ausschreibung ärztliche "Stümper" und Betrüger eliminiert würden – das klappt bei uns ebensowenig wie in Ihren Reihen! Zu glauben, daß sich in dieser schönen neuen Welt damit die Zahl der Krankenkassen minderte, ist absurd – die Bürokratur ernährt ihre Kinder! Also, wenn ihre verbalrevolutionären Autoren wirklich etwas Neues forderten und im entscheidenden Punkt (resourcenvernichtender Kontrollwahn, wie überall in unserer Gesellschaft) nicht so unverständlich systemimmanent blieben: Sachverständigenräte und Krankenkassen müßten "zerschlagen" werden, weil sie das ganze heutige Dilemma nicht ver­hindert haben.

Nehmen Sie es mir übel, wenn ich Ihre bedingungslose Perspektive, einer durch und durch krimi­nellen und unfähigen Berufsgruppe angehören zu sollen, nicht teile? Wenn wir Ärzte wirklich so schlimm sind, dann werden Sie doch einfach nicht krank. Dann bräuchte man uns nicht mehr. Dann lösten sich vielleicht die massiven Probleme, die die politischen Führenden mit uns zu haben schei­nen, von ganz allein?"   

Mit der Bitte um möglichst vollständigen Abdruck verbleibe ich als Ihr     

Dr. Martin Gattermann, Allgemeinarzt, St. Peter-Ording